Gibt es Argumente gegen Solarenergie?
Wie jede innovative Technologie hat auch die Photovoltaik ihre Gegner. Gleichsam wird gelegentlich Kritik an der Förderung der Solarstromerzeugung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) laut. Allerdings halten die häufig angeführten Argumente einer gewissenhaften Überprüfung nicht Stand.
Argument 1:
Die Herstellung von Solarzellen verbraucht mehr Energie als durch sie erzeugt wird.
Richtig ist: Die Herstellung von Solarzellen ist relativ energieintensiv. Dies wirkt sich jedoch nicht negativ auf die Öko-Bilanz von PV-Anlagen aus. Die Energierücklaufzeit – also die Zeitdauer, bis die Photovoltaik so viel Energie erzeugt hat, wie für ihre Herstellung benötigt wurde – beträgt bei Modulen der neuesten Generation etwa zwei Jahre. Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, können sich im Übrigen energetisch überhaupt nicht amortisieren, da ständig weitere Brennstoffe verbraucht werden. Zudem lassen sich PV-Module komplett recyclen, es entstehen also keine schädliche Altlasten.
Argument 2:
Die Förderung der Photovoltaik durch das EEG kommt die Verbraucher teuer.
Richtig ist: Solarstrom ist derzeit noch teurer als herkömmlicher Strom. Doch die Preise sinken schnell. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre wird Solarstrom – dank der Anschubfinanzierung durch das EEG – die sogenannte Netzparität erreichen. Das bedeutet, Strom vom eigenen Dach wird günstiger als konventioneller Strom aus der Steckdose. Dann ist solare Elektrizität wettbewerbsfähig – die Förderung obsolet. Auch andere Energietechnologien – allen voran die Atomenergie – wurden staatlich subventioniert, bis sie reif für den Markt waren. So hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) berechnet, dass die Bundesrepublik die Atomenergie seit 1950 mit mindestens 165 Milliarden (!) Euro gefördert hat.
Argument 3:
Der Strompreis wird durch die Zuschüsse für die Solarbranche künstlich erhöht.
Richtig ist: Verbraucher zahlen derzeit pro Kilowattstunde eine EEG-Umlage von 2 Cent. Während die durchschnittlichen Haushaltsstrompreise von 2000 bis 2009 um 9,3 auf 23,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) stiegen, erhöhte sich der Anteil der EEG-Umlage im gleichen Zeitraum lediglich von 0,2 auf 1,1 Cent pro kWh. Der eigentliche Preistreiber ist folglich die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen. Die Förderung erneuerbarer Energien ist kein Preistreiber.
Argument 4:
Ein Großteil der Solarzellen wird inzwischen in Fernost produziert. Die Technologie schafft somit keinen nachhaltigen Arbeitsplatzaufbau in Deutschland.
Richtig ist: Das Gegenteil ist der Fall. Zwar stimmt es, dass ein Großteil der Fertigungskapazitäten inzwischen in China angesiedelt ist. Doch arbeiteten im Jahr 2008 nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft 78.000 Menschen in der deutschen Solarbranche. Laut Prognosen wird es in der Branche im Jahr 2010 bereits über 150.000 Arbeitsplätze geben. Ein Großteil dieser Arbeitsplätze entsteht bei Installations- und Planungsunternehmen, und nicht im Bereich der Hersteller.
Argument 5:
Solarzellen stören das Erscheinungsbild unserer Gemeinden und Städte, großflächige Solarparks verschandeln die Landschaft. Besser Solarstrom-Kraftwerke in der Sahara bauen.
Richtig ist: Noch sind Solarzellen vielerorts ungewöhnlich. Dennoch ist ein weiterer Ausbau in Deutschland ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Eine Studie des Beratungsunternehmens Ecofys zufolge sind in Deutschland mehr als 2.300 km2 Quadratkilometer Gebäudefläche für Photovoltaik und Solarthermie nutzbar. In vielen Fällen könnten Kommunen den gesamten Strombedarf aller Privathaushalte künftig allein durch Solarstrom abdecken. Durch Solarstrom-Importe, zum Beispiel aus dem Großprojekt Desertec („Strom aus der Wüste“), wird auch in Zukunft nur einen Teil des Strombedarfs gedeckt werden können. Ein weiterer Vorteil des flächendeckenden Photovoltaik-Ausbaus in Deutschland ist die dadurch entstehende dezentrale Energiestruktur. Sie sichert die Unabhängigkeit von großen Energiekonzernen und damit langfristig niedrigere Preise.